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   23.06.14 10:02
    Ich liebe Fantasy ebenfa

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Der Brief

Seit zwei Stunden lag ich nun auf meiner Strohmatratze und starrte dieses Brief an. Was soll ich nur machen? Meine zwei kleinen Brüder Dominik und Patrick schliefen schon längst und meine Mutter wusste nichts von diesem Brief, der mir kurz nach Sonnenuntergang von einem in schwarzen Kleidern verhüllten Boten überreicht worden ist. Insgeheim wusste ich, dass soetwas irgendwann kommen musste, hatte ich doch einmal zwei durchreisende Halbvampire darüber reden gehört. Meine Mutter hatte mich zu meinem siebten Geburtstag über meinen Blutsvater aufgeklärt. Ein Vampir. Bei den Gedanken bekam ich nur wieder Gänsehaut. Und wie soll ich das nun meiner Mutter erklären? Aber ich muss gehen, sonst kommen sie mich holen und wer weiß, was sie dann mit meiner Familie anstellen. Trotzdem sie hat doch niemanden mehr, seit Papa im letzten Winter von uns ging. Obwohl es nun schon ein Jahr her war, dass die Grippe uns unseren Papa nahm, konnte ich nur mit Mühe meine Tränen zurückhalten. Er war ein rechtschaffender Mann und ohne ihn wären Mutter und ich wohl verhungert. Wir verdankten ihm unser Leben, hatte er doch meine Mutter hochschwanger geheiratet. Erneut sah ich den Brief an. "Luna, darf ich reinkommen?" klopfte meine Mutter leise an der Türe. Schnell versteckte ich den Brief unter meinem Kissen. "Ja, komm herein." Die Türe knarzte widerspenstig, als wüsste sie, dass ich gerade am liebsten alleine wäre. Meine Mutter war im letzten Jahr sichtlich älter geworden. Ihre zuvor leuchtend blonden Haare waren nun strohig und durch ihr Gesicht zogen sich tiefe Falten. Selbst ihre früher so gerade Haltung, hatte sie durch einen leicht gebeugten Gang eingetauscht. Vaters Tod hatte sie um Jahrzehnte altern lassen. Leicht gebeugt schlurfte sie zu meinem Bett hinüber und setzte sich neben mir hin. "Was ist los mit dir? Du hast heute Abend fast nichts gegessen." Ich zuckte mit den Schultern.  "Ich hatte halt keinen Hunger." Wenn ich ihr in die Augen sehe habe ich verloren. Ich hatte meinen Kopf leicht schief gelegt und starrte nun wie zuvor den Brief die Wand an. "Junge Dame, auch wenn du in 13 Tagen 16 wirst, heißt es nicht, dass du mich anlügen darfst." Woher weiß sie das nur immer? Mir blieb wohl nichts anderes übrig als reinen Tisch zu machen. Leicht mit mir ringend sah ich sie an. "Gab es jemals etwas, worüber wir nicht reden konnten meine Kleine?" Ich musste schlucken. Tief seufzend griff ich unter mein Kissen und holte den Brief hervor. Sie würde es ja so oder so erfahren. Schnell überflog sie den Brief. Ihre blauen Augen wurden traurig, dennoch lächelte sie. "Du bist so schnell groß geworden und ich bin unglaublich stolz auf dich. Das weißt du hoffentlich, ja?" Ich nickte nur, während ich verzweifelt versuchte nicht in Tränen auszubrechen. "Weißt du, immer wenn ich dich ansehe, dann sehe ich den Mann, der mir vor 16 Jahren mein Herz gebrochen hatte. Dennoch muss ich ihm danken, er hat mir das schönste Geschenk gemacht, was man einer Frau machen könnte. Er schenkte mir eine wunderschöne, kluge und mutige Tochter." Nun konnte ich nicht mehr anders. Ich begann zu weinen, aus tiefster Seele zu weinen. Ich wusste, dass dies mein letzter Abend hier sein würde und meine Mutter wusste es auch. Aber sie weinte nicht. Sie lächelte und summte mir mein Wiegenlied vor, als würde es nichts anderes auf der Welt mehr geben. Und so schlief ich ein letztes Mal in ihren Arm ein.

26.6.14 20:26
 


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